Ich hab heute den Marsianer angeschaut. Der Film hat mich zutiefst berührt, meiner Meinung nach ein richtiges Meisterwerk. Ich werde nicht spoilern, keine Sorge! Oder nur ein bisschen 😀

Ein Mann sitzt auf dem Mond fest und versucht zu überleben. Er bewältigt mehr als nur ein paar Schwierigkeiten. Unglaublich was er sich einfallen lässt, um nicht sterben zu müssen. Kein Wunder. Das ist unser Instinkt. Wahrscheinlich ging es ihm nicht viel anders wie den ersten Menschen auf der Erde. Sie hatten weniger wissen, mussten aber – im Vergleich – auch weniger bewältigen als dieser Mann. Was mich so erstaunt hat an diesem Film, ist, dass nicht nur er wie verrückt um sein Leben kämpft. Nein, auch alle auf der Erde. Es wird ein Millionenaufwand betrieben, um diesen Typen von seiner nicht sehr wohnlichen Heimat wieder zurück zu holen. Spezialisten werden angeheuert, alles wird getan um diesem Mann das Leben „wiederzuschenken“. Und warum? Warum lässt die NASA diesen Typen nicht einfach sitzen auf dem Mars und tut, als wäre er nie da gewesen?

Weil alle Menschen auf der ganzen Welt auf ihn Blicken. Sie bewundern ihn, sie wollen sehen, wie er gerettet wird. Die holde Jungfrau, ausnahmsweise männlich, soll vor dem bösen Drachen – dem Mars und seinen Verhältnissen gerettet werden. Und seine Crew – der Prinz – kommt auf dem Pferd – im Raumschiff – dahergeritten, oder… eben geflogen. Ein Märchen vom feinsten, nur alles mit ein paar mathematischen Formeln und komplizierten Fachbegriffen aufgepeppt. Ja, das wollen die Menschen hören. Und was passiert, wenn das nicht so klappt? Wenn der Prinz sich aufgrund von Geldsorgen einfach verpisst? Dann gibt es einen Aufstand! Dann fangen wir dumme kleine Kreaturen selbstständig an zu denken und wundern uns, wie es sein kann, dass der Prinz einen Grund hat, die Prinzessin nicht zu retten. Er hat sie schließlich zu retten! Ohne wenn und aber!

Dass das die ganz normale Realität ist – natürlich hinter der Kamera – darauf kommen wir gar nicht erst. Wir Menschen sind leichtgläubig und vertrauen schnell. Was im Fernsehn oder heutzutage in YouTube kommt, wird aufgenommen und gespeichert. Und meinstens wohl auch geglaubt.

Wenn also nun Selena Gomez, Zac Efron oder wer auch immer plötzlich nicht mehr da ist, wird die ganze Welt davon erfahren. Manche werden Angst bekommen, viele werden sicher wütend. Wie kann es sein, dass zwei Menschen einfach verschwinden? Dass jeden Tag Kinder verschleppt werden, von wem auch immer, interessiert maximal die Eltern, Verwandten und der engere Bekanntenkreis. Warum? Weil es nicht gezeigt wird, es wird verschwiegen. Ja vielleicht kommt es in einigen Nachrichten, aber da es täglich über 1000 News gibt und wir die gar nicht alle aufnehmen können, kann man das eigenlich sowieso gleich vergessen.

Viele Menschen begehen suizid, sie wollen sterben weil sie denken, dass nicht mal das nach dem Tod schlimmer sein kann als das Leben hier. Manche werden gemobbt, bis sie sich umbringen. Hinter den Kameras. Abseits vom Fokus der Leute ist ein Menschenleben weniger Wert als das mancher Gitarren von Rockstars.

Alle 6 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Ihr geht einmal aufs Klo und wärenddessen sterben über 100 kleiner Kidis. Ein paar mehr oder weniger, je nachdem wie lange ihr es auf dem stillen Örtchen aushaltet. Aber warum sagt keiner was dagegen? Warum gibt es keinen Aufstand? Weil es niemanden interessiert. Es geht in den täglichen Neuigkeiten unter. Bibisbeautypalace hat sich ihre Nägel neu lackiert und ihr Auto hat keinen TÜV mehr. Das ist, was uns heute interessiert. (Fairerweise muss ich zugeben, dass ich nicht besser bin und mir den Schrott manchmal auch reinzieh). Nicht die dummen Kinder die aus irgendeinem seltsamen Grund nicht mehr genug essen haben um zu leben. Es wird immer davon geredet, dass die ältere Generation besser leben soll, damit die jüngeren – eure Kinder – auch ein schönes Leben auf der Erde haben. Aber hey! Macht euch keine Mühe. Wenn die Welt untergeht hat Charlotte wenigstens ein cooles neues Profilbild.

Ein paar Menschen sind ausgewählt um als unsere Vorbilder zu agieren. Deren Leben ist wichtig. Es wird alles getan, damit es ihnen gut geht. Und da wir ja voll auf Anführer fliegen – siehe Hitler – sind wir total begeistert von dieser Neuen Rangordnung. Die Reichen und Schönen, oder meist schön viel operierten, sind unser Fokus. Das, woran wir uns messen, was uns wichtig ist. Was wir anhimmeln und beneiden. Das was vor der Kamera passiert. Oder die Leute die sich ein Ersteklasseticket leisten können. Da fängt es doch eigentlich schon an. Wir sind eine Klassengesellschaft, daran wird sich wohl auch nie etwas ändern, denn Kapitalismus ist ja auch scheiße. Aber können wir denn nicht wenigstens ein bisschen Rüchsicht aufeinander nehmen? Mehr sehen was um uns herum passiert und nicht nur auf unserem Smartphone? Den Blickwinkel ein klein wenig ändern. Wir sind alle gleich viel wert, kein Popstar ist besser als du. Auch wenn er dank Schminke und OP vielleicht eine schönere Haut oder längere Wimpern hat. Also hör auf, sie zu behandeln als wären sie etwas Besseres. Wenn wir das alle tun, wenn uns Magazine, Popstars und Politiker nicht mehr so wichtig sind, sondern wir gemeinsam für mehr Gerechtigkeit kämpfen, wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt, dann hat die Welt vielleicht noch eine Chance. Vielleicht geht sie auch einfach nur harmonischer unter, aber why not? Dann können wir wenigstens ehrlich, mit erhobenen Köpfen und als Einheit sagen, dass wir es versucht haben.

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