Ich bin ein Teenager. Ein menschliches Wesen. Auch wenn man das manchmal nicht vermuten würde. Denn meistens verhalte ich mich eher wie ein in der Wildnis lebender Affe mit Sozialstörung.

Warum? Naja, ich bin der Meinung dass – wenn ich schon in einer Schublade stecke – ich daraus wenigstens auch ein paar Vorteile beziehen kann. Und da ich eh schon von allen die mich nur von weitem sehen in den Ordner Teenie mit Merkmalen Pickeln, Augenringen, fettigen Haaren, zu viel Schminke und ein an der Hand festklebendes mobiles Telefon auf das  die Spezies rund um die Uhr mit Sabber im Mundwinkel starrt, ablegen, kann ich mich auch so verhalten. Denn was macht‘s? Ich habe eine Ausrede, warum ich so bin. Hormonhaushalt unso.

Also darf ich morgens bis 12 im Bett liegen, meine Eltern die letzten Nerven rauben und ihnen graue Haare auf die Köpfe treiben, gelangweilt und genervt bei Familienfeiern mit Handy in der Ecke sitzen oder gar nicht hingehen, geflissentlich alle Aufgaben „vergessen“, alle zwei Minuten im Unterricht gähnen, schlechte Witze und freche Kommentare abgeben, Ausdrücke verwenden, zu keinem normalen Gespräch in der Lage sein, auf nichts Lust haben, jeden Abend in die Disco gehen, saufen, rauchen und kiffen wollen, am nächsten Tag mit Kater und Depressionen das Leben meiner Familie zur Hölle machen, Geburtstage und andere wichtige Ereignisse vergessen, viel zu laut Musik hören, die vollkommen geschmacklos ist, LKW-Ladungen-weise das Nutella in mich reinschaufeln, das gute, gesunde essen meiner Mutter verschmähen, nur das anziehen was in ist und mich danach richten was meine Freunde machen, trotzdem meinen ganz eigene Meinung haben – egal wie bescheuert sie ist , mit Kaputze, Cap und Sonnenbrille durch die Gegend laufen, dreckige Dinge auf dreckige Autoscheiben malen und täglich vergessen zu lernen oder Hausaufgaben machen – denn ich komme sowieso nicht aus diesem Ordner heraus.

Egal was ich mache, egal wie viel Mühe ich mir gebe, wenn mir nur ein einziger Fehler unterläuft heißt es sowieso nur wieder „Ach ja, die Heranwachsenden und ihre verrücktspielenden Hormone“.

Bist du auch ein Teenager? Dann kennst du doch sicher diese Gespräche, die man heimlich mithört, weil keiner der Erwachsenen einem Teenie zutraut, Ohren zu besitzen oder sie gar benutzen zu können. „Wie alt ist denn ihre Tochter? – Ach 16 erst? – Jaja, die Pubertät – kann man nichts machen.“ Meine Fresse, Leute! Wärt ihr nicht so rassistisch und voreingenommen gegenüber der jüngeren Generation würden wir es euch vielleicht auch wesentlich leichter machen, unsere Welt der Selbstfindung und Verwirrung zu verstehen. Die Betonung liegt auf Vielleicht. Denn – wir sind doch schließlich Teenager! Wir müssen das Klischee erfüllen, wir müssen in den Rahmen passen, der so sorgfältig für uns ausgewählt wurde. Einige Eltern werden jetzt protestieren und davon reden dass sie doch absolut nichts dafür können, wenn ihr Kind sich in der Pubertät von ihnen abwendet. Nein! Natürlich nicht! Wieso solltet ihr auch?

Ihr vergleicht uns Teenager doch so gerne mit Tieren, also: Was wird wohl passieren, wenn ihr einen Hund jeden Tag schlagt, auch mal einfach grundlos? Er wird 1. panische Angst vor euch bekommen und 2. irgendwann mal zuschnappen wenn ihr es nicht vermutet. Warum? Fragt mich nicht, meine Psychologielehrerin könnte das jetzt sicher irgendwie anhand eines Fallbeispiels belegen aber – da ich ein Teenager bin und keine Hausaufgaben mache – hab ich keine Ahnung davon. Aber nun zurück zum Thema. Was passiert, ganz logisch gesehen, also mit einem Jugendlichen, der grade auch noch dabei ist, selbstständig denken zu lernen, wenn ihr ihm viel verbietet und ihn einschränkt in seinem Handeln und das so, dass es für ihn vollkommen willkürlich aussieht? Er wird sich von euch abwenden und sich wehren – rebellieren – ihr werdet ihn nicht mehr wiedererkennen. Natürlich ist das alles nur aus Sorge und man will ja nicht schuld sein, wenn etwas passiert. Aber grade im Teeniealter ist es unglaublich wichtig, sich selbst auszuprobieren, Grenzen auszutesten und eigene Fehler zu machen. Natürlich gibt es auch dafür ein Maß, bevor euer Kind sich den goldenen Schuss setzt oder an Hunger stirbt solltet ihr dringend eingreifen. Aber es ist eben auch wichtig, jedem Jugendlichen seine Freiheit zu geben, oder ihn zumindest so zu überlisten, dass er nicht merkt, wie wenig Rechte er eigentlich hat.

Meine Tipps:

Ich weiß, ich als Teenager sollte Eltern eigentlich keine Tipps geben, wie ihr eure Teenager behandeln sollt, aber ich dachte, ich teste mal meine Grenzen aus und gehe ein Risiko ein:

  1. Lasst eurem Teenie Freiheit, lasst ihn mal in eine Disco gehen oder auch mal ein bisschen Alkohol trinken, gebt ihm mehr Raum wenn er zuverlässig ist und verantwortungsbewusst handelt. Schränkt die Grenzen aber wieder ein, wenn ihr merkt dass es nicht funktioniert. Nicht von 100 auf 0, aber vielleicht auf 50. Ein ganz natürlicher Trick. So werden Hunde erzogen. Ein Leckerli wenn Schnuckiputzi etwas gut gemacht hat – wenn nicht eben keins.
  2. Versucht, mit eurem Teenie in Kontakt zu bleiben, redet mit ihm oder unternehmt etwas mit ihm. Aber nicht so, dass er sich fühlt wie in Untersuchungshaft. Redet auch mal über eure Probleme, was euch beschäftigt, führt eine normale Konversation und behandelt ihn so, als wäre er wirklich ein Mensch. Dann verwandelt er sich nämlich auch umso schneller wieder in einen.
  3. Seid nicht zu streng. Lasst euren Teenie auch mal ein Teenie sein und zeigt ihm, dass es kein Weltuntergang ist, wenn er einen Fehler macht oder eine schlechte Note mit nach Hause bringt. Denn, vielleicht wisst ihr es nicht mehr, aber ihr wart mal ganz genauso!
  4. Und hier der letzte und vielleicht wichtigste Punkt. Wir machen gerade eine der schwersten Phase unseres Lebens durch. Lauter neue Eindrücke strömen auf uns ein. Wir sollen verantwortungsbewusst und erwachsen sein und nebenbei noch herausfinden wer wir selber sind. Dazu noch Schule, Freunde und Hobbys irgendwie bewältigen. Da kann ein ganz schönes Chaos entstehen und man fühlt sich oft als wäre alles zu viel und als wäre man vollkommen allein mit all seinen Problemen. Deshalb brauchen wir – auch wenn wir uns manchmal verhalten wie ein Kaktus – jemanden der es riskiert, gestochen zu werden, nur um uns seine Liebe zu beweisen und für uns da zu sein.
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